BASS PROFESSOR 2/2000
GLOCKENKLANG
Soul Combo
Als Udo Klempt-Gießing von Glockenklang 1997 seine erste 4x10"-Box ("Take Five", s. BP 3/97) vorgestellt hatte und schon kurz darauf eine 2x10 ("Duo", s. BP 2/98) nachreichte, war klar, dass nun auch ein Markt erreicht werden sollte, der eher trendorientiert ist. Aber Glockenklang wären nicht Glockenklang, wenn diese Boxen nicht auch höchsten Ansprüchen genügen würden. So vermisst man auch bei der Zehnzöllerbestückung nichts von der detailgetreuen Wiedergabequalität, mit der die Company aus Herford in die Referenzklasse aufgestiegen ist. Für adäquate Verstärkung sorgen das HiFi-mäßige Bass Art-Top und der etwas "normalere" Heartcore-Verstärker aus gleichem Hause.
Auf der letzten Frankfurter Musikmesse ging das Unternehmen noch einen Schritt weiter und stellte mit dem Soul-Topteil einen höchst live-tauglichen Bassverstärker für den semiprofessionellen Bereich vor. Unter dem Motto: "Was man hat, hat man", wurde dieser auch gleich mit der Duo-Bassbox zum Soul-Combo verschmolzen. Mit einem Verkaufspreis von DM 3.690,- gehört dieser zwar bei Glockenklang noch zur Economy-Klasse", bewegt sich aber schon in einer Region, in der sich auch "EBS-Gorme" und "SWR-Redheads" tummeln. Unser Test wird zeigen, ob er dazu eine Alternative darstellt.
Über die Qualität und den Aufbau des 2x10"-Boxenteils will ich hier nicht mehr in aller Ausführlichkeit eingehen und verweise auf den entsprechenden Test im BASS PROFESSOR (siehe oben); vielmehr soll das Herzstück des Combos, der 440 Watt starke Soul-Verstärker, im Mittelpunkt stehen. Dieser hat nämlich neben seiner imposanten Leistung viele Features zu bieten, die ihn zu einem vielfältig einsetzbaren Partner
für Live-Zwecke machen. Das fängt beispielsweise schon bei der Eingangssektion an, die gleich mit zwei lnputs bestückt ist. Andere Verstärker bieten dies auch; da gibt es dann einen Eingang für passive Instrumente und einen abgesenkten Eingang für aktive Bässe. Bei Glockenklang ist diese Absenkung allerdings durch einen Trimregler stufenlos einstellbar, so dass der Benutzer zwei Instrumente auf den gleichen Pegel bringen kann, ohne einen Pre-Mixer verwenden zu müssen. Die endgültige Anpassung an
den Verstärker erfolgt über den obligatorischen Gain-Regler mit Peak-Anzeige. Konsequenterweise sind die beiden lnputs durch einen A/B-Schalter in Form eines Drucktasters auf der Frontplatte umschaltbar. In der Praxis ergibt sich daraus zum Beispiel folgende Möglichkeit: Passiv-Bass (evtl. Fretless) in den lnput A und mit Hilfe des Gain-Reglers und der Peak-LED an den Amp anpassen, Aktiv-Bass in den lnput B und den dazugehörigen Trimregler solange einstellen, bis die Peak-Anzeige genauso stark aufleuchtet wie beim Passiv-Bass. So kann man live ohne Pegelsprünge zwischen zwei Instrumenten hin- und herwechseln! Irgendwie clever!
Als nächstes folgt auf der Frontplatte die Klangregelung, die einen Glockenklang-typischen Einschalter besitzt. Man kann diese Sektion also komplett aus dem Signalweg herausnehmen, um einen noch unverfälschteren Klang zu erhalten. Bei Bässen ohne Onboard-EQ ist dies aber nicht unbedingt der angestrebte Idealsound - ein wenig Bass-Boost vom Soul kann nie schaden, um dem Sound neben der "Seele" auch "Körper" zu verleihen.
Der Equalizer besitzt fünf Bänder, die je nach Frequenzbereich mit unterschiedlichen Absenkungs- und Verstärkungsgraden ausgestattet sind. So besitzt der bei 60 Hz angesiedelte Bassbereich ebenso wie der bei 12 kHz angesetzte Treble-Regler noch einen stattlichen Arbeitsbereich von +/- 15 dB. Die Bereiche Low (130 Hz) und High (4,2 kHz) lassen sich nur noch mit +/- 12 dB beeinflussen. Der extrem kritische Mid-Regler (750 Hz) erlaubt nur noch Anhebungen und Absenkungen von +/- 8 dB. Vorteil dieser Staffelung ist, dass man auch bei Extremeinstellungen keinen Klangschrott produzieren kann. Alle Bänder weisen einen wirklich nutzbaren Regelweg auf! Eine tolle Sache!
Weiter geht's mit der Effekt-Sektion, die auf der Frontseite durch den Effect-On-Schalter und den Effect-Regler vertreten ist. Sowohl der Schalter, dessen Aufgabe auch durch einen Fußschalter ersetzt werden kann, als auch der Regler sind zuständig für den parallelen Effect-Loop. Hier lassen sich über die Send- und Return-Buchsen auf der Rückseite Effekte einschleifen, die dem Originalsignal dazugemlscht werden sollen. Dieser Loop bietet sich also in erster Linie für Modulations- und Halleffekte an, die nur anteilig dem Signal beigemischt werden. Soll das Signal komplett durch das Zusatzgerät laufen, könnte man den Regler zwar auf 100% stellen, einfacher ist aber die Benutzung des seriellen Effektweges, der ebenfalls auf der Rückseite zu finden ist. Benutzer von Kompressoren sollten diesen als "Insert" bezeichneten Effektweg für
ihren Dynamikbegrenzer verwenden. Beide Effektwege finden sich bei Bedarf auch im Dl-Out wieder, der ebenfalls auf der Rückseite angebracht ist, und dort auch im Pegel regelbar ist. Will man dem Mann am Mixer ein trockenes Signal ohne Effekte und Klangregelung anbieten, wird einfach der Di-Schalter von "Post" auf "Pre" gedrückt. Will man jedoch ein bearbeitetes Signal aufs Pult legen, hat aber ein Effektgerät, welches partout nicht draußen im Saal zu hören sein soll (z.B. ein Zusatz-EQ für Bühnenakustik), lässt sich dieses über den dritten (!) Einschleifweg schicken, der noch hinter dem Volumenregler angesiedelt ist.
Vervollständigt wird die Ausstattung noch durch eine Tuner-Out-Buchse (ebenfalls auf der Rückseite) und den dazugehörigen Tune-Schalter auf der Vorderseite, der alle anderen Ausgänge während des Stimmvorganges stummschaltet. Statt des normalen Schalters kann auch diese Funktion über einen Fußschalter betätigt werden.
Schließlich findet sich auf der Vorderseite noch der Volumenregler sowie der Netzschalter.
Auf der Gehäuserückseite verdient der stufenlose Regler für den Hochtöner Beachtung, der schon bei der Duo Einzug gehalten hatte. Immerhin ist es im Livebetrieb bereits allein aufgrund dieser stufenlosen Regelbarkeit möglich, verschiedene Soundvorstellungen zu realisieren, noch bevor man am Verstärker oder am Bass Veränderungen am EQ vornimmt. In einer Rockband wird man den Hochtöner eher subtil im
Hintergrund bzw. gar nicht arbeiten lassen, während man ihn in einer Funkband, in der viel Slapping eingesetzt wird, durchaus etwas stärker featuren kann.
Kommen wir zum Soundcheck. Wie zu erwarten war, ist in erster Linie die Box für die Stärken und Schwächen des Combos verantwortlich. Zu den Stärken gehören, wie schon bei der separaten Duo-Box, die plastische und orginalgetreue Wiedergabe, sowie die durchdringende Dominanz in den Mitten und Höhen. Anders als bei anderen Speakern klingt dieser Bereich allerdings sehr fein und aufgeräumt. Der einzige Wermutstropfen ist der etwas unterbelichtete Bassbereich, der dem Anspruch auf einen möglichst neutralen Frequenzgang zum Opfer fiel. Statt wie viele andere Combo-Hersteller die Frequenzkurve so zu verbiegen, dass man den Eindruck von wahren Kraftzwergen und Wunderkisten bekommt, setzt Udo Klempt-Gießing auf Ehrlichkeit. Zwei Zehner, 440 Watt, ein Frequenzgang von 20 Hz bis 25 kHz (!) und "keine Tricks und doppelte Böden", das ist der Soul-Combo! Als "Stand-Alone-Gerät" ist er, von lauten Rockbands abgesehen, Ü-Raum- und Club-Gig-tauglich. So richtig zur Geltung kommt er aber erst (wie schon die Duo) in Kombination mit einer Zusatzbox. Schließlich entfaltet er seine satte Wattleistung auch erst, wenn man eine weitere 8 Ohm-Lautsprecherlast an den Soul hängt (und zwar mit Speakon-Anschlüssen!). Eine weitere externe Duo dürfte hier schon vollkommen ausreichen, um auch auf größeren Bühnen die Luft mit einem cleanen Bass-Signal zu bewegen.
Fazit
Der Soul-Combo ist eine klare Alternative zu den bekannten 2x10"-Combos. Mit seinem klaren und offenen Sound ist er ein leicht zu tranportierender Begleiter für alle, die einen gut klingenden Bass ihr Eigen nennen und mehr Wert auf Wiedergabequalität als auf Kraftmeierei legen.
Karsten Fernau
Technische Daten
| Hersteller | Glockenklang |
| Modell | Soul-Combo |
| Leistung | 440 Watt an 4 Ohm (die Lautsprecher sind wahlweise auch mit 4- oder 8 Ohm-Belastung erhältlich) |
| Regler | Trim, Gain, 60 Hz, 130 Hz, 750 Hz, 4,2 kHz, 12 kHz, Effect, Volume, Di-Level |
| Schalter | Tune, A/B, EQ, Effect, Power, Ground Lift, Dl pre/post EQ |
| Eingänge | 2 Eingänge, 2 x Footswitch, Insert Return, Loop Return, Poweramp In |
| Ausgänge | Tuner, Insert Send, Loop Send, Preamp Out, DI-Out, 2 x Speaker Out |
| Maße (H x B x T) | 49 x 60 x 44 cm |
| Gewicht | 37 kg |
Unverb. Preisempfehlung: |
ca. 3.690,- DM |