summa cum laude
GLOCKENKLANG TAKE FIVE
Trefflich ließe es sich mal wieder über die Namensgebung von technischen Geräten diskutieren; immerhin ist es hier nicht so einfach wie bei einer Gitarre oder einem Sohn. Heißt "Take Five" nun., daß man davon fünf Stück nehmen soll? Oder bezieht es sich nur auf die Speakeranzahl?
Letzteres liegt auf jeden Fall nah, denn das neueste Produkt aus dem Hause
Glockenklang ist tatsächlich mit fünf Lautsprechern bestückt.
Vier Zehnzöller und ein Tweeter sollen hier für den richtigen Druck
sorgen. Das ist bemerkenswert, denn Glockenklang hatte mit dem Trend an sich
noch nie etwas am Hut. Nun gut, der 4x10er- Trend ist ja am Abflauen, aber am
Prinzip an sich ändert das nichts. Und das Prinzip und den damit verbundenen
Sound, den mochte Glockenklang nicht so recht. Und so ist zu erwarten, daß
eine 4x10er Box von Glockenklang mit den Bestückungsbrüdern eben nur
diese gemeinsam hat.
Schon der erste Blick auf die Take Five bestätigt diesen Verdacht: So eine
große Vier-Zehner hat die Welt noch nicht gesehen! Vor allem in der Tiefe
ist sie allen anderen Typen dieses Genres weit überlegen und macht damit
ihren Anspruch als alleinige Herrscherin einer Baßanlage geltend (wir
erinnern uns: Normale 4x10er kommen entweder im Doppelpack oder mit einer 1x15er).
Das wiegt bestimmt ´ne Menge, denkt sich der Tester, und macht sich auf
einen mittleren Kraftakt bereit. Damit hievte er die Take Five fast an die Decke,
denn die gerade mal 31 Kilo traut man dieser relativ großen Box keinesfalls
zu.
Grund für dieses geringe Gewicht ist eine spezielle Sandwichbauweise, die
von Glockenklang entwickelt und schon mit großem Erfolg in den Boxen "Tedd"
und "Bass Art MkII" verwirklicht wurde. Hier wird eine dünne,
harte Doppelschale mit einem weichen, dicken und dämpfenden Kern kombiniert.
Das Ergebnis weist eine Schwingungsdämpfung auf, die der eines dicken Materials
vergleichbar ist, die dabei aber viel weniger wiegt. Schwingungsdämpfung
ist wichtig, weil hier nicht das Gehäuse schwingen soll, sondern die Lautsprecher.
Die Lautsprecher sind also 10-Zöller, die bei einer Gesamtimpedanz von
8 Ohm 200 Watt verkraften können und zwar pro Stück! Aus ihrer Herkunft
hingegen machen sie ein Geheimnis, denn auf dem Magneten ist nichts zu finden.
Rückfragen ergaben dann, daß sie von dem englischen Hersteller Volt
kommen. Und dann gibt es noch den fünften Speaker, der für die hohen
Frequenzen zuständig ist. Hier hat Glockenklang ein kleines Fostex- Horn
genommen und es abschaltbar gemacht. Regeln kann man es nicht, was aber bei
vernünftiger Auslegung auch kein Manko sein sollte.
Dazu gibt es eine Frequenzweiche, die direkt an den beiden Anschlußbuchsen
angebracht wurde. Diese Buchsen sind auf der Höhe der Zeit, Glockenklang
griff natürlich auf die schon zur Norm gewordenen Speakons zurück.
Die mechanische Seite der Box ist genauso vertrauenerweckend. Ein stabiler Kunststoffbezug (Nadelfilz ist dagegen ein dünner Mist) schützt das Gehäuse, ein eher noch stabileres Lochgitter die fünf Lautsprecher. Und damit auch nichts rappelt und scheppert, und damit neugierige Tester ihre Nase da herauslassen, ist dieses Gitter mit 18 dicken Schrauben befestigt. Zum Transport gibt es auf den Seiten je einen Flightcase-Griff, allerdings ist er deutlich nach vorn versetzt, des Schwerpunktes wegen. Man tut sich daher auch eher schwer, diese Box alleine zu trage, wenn man sie falsch herum anpackt. Anschließen und wohlfühlen heißt dann die Devise - wäre da nicht der noch ungewohnte Griff zum Speakonkabel. Aber des Testers Kruschkiste birgt auch dieses. Die ersten Töne sind dann schon richtig beeindruckend. Eher wie eine 4 x 12"-Box klingt dieses Teil, obgleich sie das Attack von 10er Speakern hat. Aber der Druck und ein wenig die Färbung in den Mitten erinnert stark an Boxen, die diese in Bassistenkreisen viel zu wenig geschätzte Speakergröße haben. Habt ihr schon mal einen massiven Betonboden zum Vibrieren gebracht? Die Take Five kann das schon bei niedrigen Lautstärken, und das, ohne daß der Ton auch nur ansatzweise mulmig oder gar undifferenziert würde. Der Tweeter setzt dem ganzen ein schönes Glanzlicht obendrauf, ohne aufdringlich zu wirken. Bauartbedingt neigt er allerdings dazu, enger als die Speaker abzustrahlen. So hört man ihn erst richtig, wenn man etwas weiter weg oder die Box etwas höher steht. Ob man ihn vielleicht etwas anwinkeln könnte? Alles in allem hat sich das Risiko, es mal mit dieser Speakergröße zu versuchen, für Glockenklang voll gelohnt. Eine so gelungene Verbindung von Sounddruck, Schalldruck und (dennoch) Transparenz habe ich, ehrlich gesagt, noch nicht gehört. Die Glockenklang Take Five ist eine Spitzenbaßbox, die jeden Pfennig ihres zugegebenermaßen hohen Preises wert ist. Und was den Namen angeht: Diese Box kann ganz alleine bestehen, man braucht wirklich keine zwei davon und schon gar keine fünf, und man kommt auch ohne eine zusätzliche 15er Box aus. So gesehen ist die Take Five sogar recht billig!
FAZIT
Die Glockenklang Take Five verbindet in idealer Weise die Geschwindigkeit von 10er Treibern mit dem Druck von 12er und 15er Speakern sowie mit der Offenheit und Transparenz, die Glockenklang-Boxen so zu eigen ist. Sie ist das perfekte Arbeitsgerät für Bassisten, denen eine übliche 4x10er zu gesichtslos und eine 15er Box zu mulmig klingt, eine 12er Box dagegen zu exotisch ist. Diese Perfektion hat natürlich ihren Preis, der absolut gesehen nicht gerade niedrig ist. Aber kein Licht ohne etwas Schatten. Dafür braucht man auch nur eine Box dieses Typs.
JÜRGEN RICHTER
Vertrieb: Glockenklang
TECHNISCHE DATEN
Belastbarkeit: 800 Watt
Lautsprecher: 4x 10" + Tweeter, 8 oder 4 Ohm
Maße: 66 x 63 x 45 cm
Gewicht: 31 kg
WERTUNG
WERTUNG |
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Charakter |
allround |
Soundqualität |
sehr gut |
Soundspektrum |
sehr gut |
Verarbeitung |
sehr gut |
Roadtauglichk. |
sehr gut |
Mit freundlicher Genehmigung des Presse Project Verlages.