GLOCKENKLANG TEDD BASSBOX
DER HIMMEL WEISS (UND NUR DER), WIE DIE FIRMA GLOCKENKLANG ZU IHREM NAMEN GEKOMMEN IST. IST DAMIT DER GLOCKENREINE TON IHRER ANLAGEN GEMEINT? VERMUTLICH IST ABER EIN SEHR VIEL BODENSTÄNDIGERER ASPEKT DER GLOCKE GEMEINT. NORMALERWEISE WIRD SIE NÄMLICH MIT DEM KRANWAGEN GELIEFERT...
Viel hilft viel. Nach diesem schönen Grundsatz sind die Baßboxen
von Glockenklang bisher konstruiert worden. Das bezieht sich eben vor allem
auf das Gewicht, denn noch immer gilt der Grundsatz, daß gute Baßboxen
schwer sein müssen. Der Grund dafür ist einfach einzusehen: Ein Lautsprecher
kann umso besser arbeiten, je weniger Gehäuse er in Schwingung versetzen
muß. Deswegen müssen die Gehäusewände so stabil wie möglich
sein, und in der Regel kommt man an schweren Materialien nicht vorbei. (Es gibt,
so ganz nebenbei, HiFi-Boxen aus Granit. Sie werden mit dem Kranwagen geliefert
...)
Je dichter, desto besser, so heißt also die Devise. Es geht aber auch
anders. Wenn man eine Gehäusewand entsprechend clever konstruiert, kommt
man auf eine hohe Stabilität bei geringem Gewicht. Der beste Beweis ist
unsere Testbox mit dem schönen Namen "Tedd". Sie wiegt gerade
mal 31 Kilo und damit über 10 Kilo weniger als die bisher leichteste Box
im Programm von Glockenklang.
Aufbau
Aber wie wurde das nun gemacht? Die Tedd- Box ist nach 33 dem Prinzip des Frühstücksbrötchens
aufgebaut (versucht mal, so eines zum Schwingen anzuregen ... ). Es gibt also
eine stabile, aber dünne Außenwand aus Multiplex-Holz, die mit einer
dicken, aber weichen Schicht aus Montageschaum verbunden ist. In der Praxis
wird zuerst die komplette Schale der Box gebaut und dann eine Innenverschalung
eingesetzt, die die gewünschte Schaumdicke 4 cm! - freiläßt.
Das Ganze wird ausgeschäurnt, die Innenverschalung wird wieder entfernt
fertig.
Die Schallwand ist freilich kompromißlos dick - 24 mm! Allerdings verschätzt
man sich leicht, wenn man dazu in den Baßreflextunnel sieht, denn der
ist nochmal so tief. Hier wurde einfach ein Stück Schallwandholz aufgeleimt,
um auf die erforderliche Dicke zu kommen. Das hat nichts mehr zu tun mit den
windigen Pappröhren, die man aus dem HiFi- Bereich kennt.
Bespannt ist das Gehäuse mit einem sehr dicken Teppichstoff in den Farben
Salz und Pfeffer. Diese Bespannung sieht robust aus, sie ist es wohl auch, vor
allem aber verbessert sie das Schwingungsverhalten der Seitenwände noch
weiter. Zum einigermaßen bequemen Transport gibt es an den Seiten zwei
Flightcasegriffe, die man auch locker alleine erreichen kann. Allerdings wollen
auch 31 Kilo erstmal getragen werden.
Bestückt ist die Tedd-Box mit zwei Lautsprechern von RCE Der Baßspeaker
ist dabei ein 15-Zöller, der Mitteltöner ein 6"- Speaker mit
einer Carbonmembran. Diese dürfte eine erhebliche Steifheit bei geringem
Gewicht aufweisen, wodurch dieser Lautsprecher erheblich höher kommen dürfte
als ein Pappkamerad, bevor es zu harmonischen Verzerrungen kommt ("Cone
break up").
Eigentlich ist die Tedd-Baßbox nicht groß. Sie ist sogar recht winzig,
vergleicht man sie zum Beispiel mit der 8x10"-Box eines bekannten amerikanischen
Herstellers. Man traut ihr nicht viel zu, am wenigsten eine hohe Leistung. Und
doch schluckt sie bis zu 600 Watt bei einer Impedanz von 8 Ohm. vernünftig
ist daher der Verzicht auf Klinkenbuchsen. Tedd ist mit zwei XLR- Anschlüssen
ausgerüstet. Und auch der Frequenzgang ist beachtlich- Er beginnt bereits
bei 38 Hz und reicht hinauf bis 15 kHz.
Sound und Praxis
Vielleicht sollte ich vorausschicken, daß ich Baßboxen mit 15"Speakern
nicht mag. In der Regel färben solche Boxen den Sound in den tiefen Mitten
kräftig ein, und die schlechteren Konstruktionen neigen außerdem
zum Dröhnen. Aber Glockenklang hat einen Ruf zu verlieren, einen sehr guten
dazu. Mal sehen...
Was mir zuerst aufgefallen ist, ist der gute Wirkungsgrad der Tedd-Box. Sie
ist von vornherein lauter (bei gleicher Verstärkereinstellung) als meine
2 x 12"- Box. Man hat damit eigentlich einen höheren Headroom zur
Verfügung, oder andersherum: Der Verstärker wird später anfangen
zu verzerren.
Natürlich kann auch die Tedd-Box nicht verhehlen, daß sie mit einem
15"-Speaker bestückt ist. Die tiefen Mitten sind einfach präsenter
da als bei kleineren Lautsprechern. Allerdings kommt hier nicht der von mir
gefürchtete 15er-Sound zum Tragen, vielmehr sorgen diese Mitten für
einen absolut angenehmen Druck. Mulm oder Dröhn ist bei einer Box dieses
Kalibers sowieso nicht zu erwarten. Auch das andere Ende der Box, die Höhen,
klingen sehr angenehm und warm. Hier zahlt es sich aus, daß Glockenklang
keinen Tweeter, sondern einen Konuslautsprecher verwendete.
Beeindruckend ist nun, wie geschlossen und charaktervoll diese Box klingt. Es
ist weniger der Frequenzgang oder sonst ein technisches Detail, was der Box
zu ihrem Status verhilft, vielmehr ist es die Soundqualität an sich, die
diese Box so besonders macht. Sie nimmt vom Grundsound her eine Mittelstellung
ein zwischen der sehr HiFi-betonten BassArt und der rockig abgestimmten HeartCore
(beides Boxen von Glockenklang). Ein gelungener Mittelweg, finde ich.
Fazit
Es ist schon etwas gewagt, eine Baßbox, die 31 Kilo wiegt, als leicht Mm zu bezeichnen. Wenn man allerdings weiß, was eine wirklich gute Baßbox sonst so wiegt, versteht man dieses Attribut besser. Und wenn man die Tedd-Baßbox dann noch gehört hat und merkt, wie ausgeglichen und doch durchsetzungsfähig dieses Teil klingt, fragt man sich, wie man es geschafft hat, diese Box so leicht zu machen. Das beste von beiden Glockenklang-Welten erhält man hier, und das niedrige Gewicht dazu. Einziger Wermutstropfen: Diese Pracht hat natürlich ihren (angemessenen) Preis. Aber meine Abneigung gegen 15-Zöller, die kann ich wohl jetzt auf den Müll schmeißen.
PLUS
| Übersicht | |
| Hersteller: | Glockenklang/BRD |
| Modell: | Tedd |
| Lautsprecher: | 15" RCF, 6"- Cabonspeaker |
| Frequenzbereich: | 38 Hz - 15 kHz |
| Belastbarkeit: | 600 Watt/ 8 Ohm |
| Maße: | 40 x 55 x 65 cm |
| Gewicht: | 31 kg |
Jürgen Richter
Mit freundlicher Genehmigung der Presse Project Verlages.